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Kirchen im Alten Land

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Arp Schnitger-Orgel zu Hollern, St. Mauritius

Informationen in Kürze

Am 21. September 1690 examiniert Vincent Lübeck (Stade) die gerade durch Arp Schnitger (Hamburg) fertig gestellte Orgel in Hollern. 1858 erfolgt ein Umbau der Orgel durch Philipp Furtwängler (Elze). Furtwängler legt statt des Brustwerkes ein Hinterwerk mit neuer Lade und teilweise neuem Pfeifenwerk hinter dem Hauptwerk an.
1966/67 baut Firma Emanuel Kemper (Lübeck) die Orgel erneut um. Das Oberteil des Hauptwerksgehäuses wird höher gesetzt, um Platz für ein neues Brustwerk zu erhalten. Das Hinterwerk wird entfernt. Nach dieser Maßnahme befindet sich die Orgel in einem klanglich bedauerlichen Zustand. Auch in technischer Hinsicht ist der Zustand als traurig zu bezeichnen.
Eine durchgreifende Restaurierung und Rekonstruktion ist zur Zeit in der Orgelbauwerkstatt Ahrend, Leer, in Arbeit, die Aufstellung erfolgt in der ersten Jahreshälfte 2011. Am 28.8.2011 fand die Einweihung statt, es folgt ein Festwochenende im Mai 2012.

Neben den auf dieser Seite genannten Informationen (bereitgestellt von nomine.de) erhalten Sie darüber hinaus auf den Seiten von:

http://www.nomine.net/hollern-st-mauritius

weitere Informationen und Bilder sowie viele Hinweise zu anderen Orgeln.


Daten zur Orgel

Disposition:
(24 / HW/BW/Ped)

Hauptwerk
PRINCIPAL 8F S
ROHR FLOIT 8F S
OCTAV 4F S
NASHAT 3F S
OCTAV 2F S
WALD FLOIT 2F S
MIXTUR 4FACH A/S
CIMBEL 3FACH A
TROMMET 8F S
SCHALMEY 4FA

VOGELGESANG A
CIMBELSTERN A
TREMULANT A
VENTIEL HW A
VENTIEL BW A
VENTIEL PEDAL A

Brustwerk
GEDACT 8F A
BLOCK FLOIT 4F A
OCTAV 2F A/S
QVINT FLOIT 1 1/2F A
SEXQVIALTERA 2FACH S/A
SCHARFF 4FACH S/A
KRUMPHORN 8F A

Pedal
PRINCIPAL 16F S
GEDACT 8F A
OCTAV 4F S
MIXTUR 4FACH A/S
POSAUN 16F S
TROMMET 8F S
CORNET 2F A

Pfeifenwerk:
S = Arp Schnitger
A = Hendrik Ahrend

Manualschiebekoppel A
Manualumfang: CDEFGA - c’’’ (Klaviaturen A)
Pedalumfang: CDE - d’ (Klaviatur A)
Winddruck: 73 mm WS
3 Keilfaltenbälge (7‘ x 3 1/2‘)
Tonhöhe: ½ Ton über normal (a = 465 Hz bei 18° C)
Stimmung: mitteltönig (1/4 Komma)
Laden: HW (S), BW (A), Ped (S - Bohlenladen)


Bau-/Restaurierungsgeschichte

1135 Kolonisation Hollerns durch holländische Siedler.

1250 erster schriftlicher Nachweis zu einer Kirche in Hollern. Der einzigartige runde Turm der Kirche (ca. 25 m hoch) gehört zum ältesten Baubestand der Kirche.

1540 Einführung der Reformation in Hollern.
Der Kirchbau wird auf einer Wurt gegen Überflutungen errichtet. Das Kirchenschiff ist in gotischem Stil errichtet. Von dem ursprünglichen Bau sind die Grundmauern erhalten. Im Westen des Kirchenschiffs sind noch Reste vermutlich romanischen Feldsteinmauerwerks erhalten.
Der Chorabschluss der Kirche wird im 18. Jahrhundert neu aufgemauert.
1901 wird die Kirche renoviert und erhält größtenteils neues Mauerwerk.
Einrichtung:
Altar um 1570
Kanzel um 1670
Taufbecken ist ein altes Stück aus dem 14. Jahrhundert mit einem Taufdeckel von 1660 und älteren Taufschranken von 1572
Dazu gehört noch der Taufengel aus dem 17. Jahrhundert, der nun mitten in der Kirche hängt. Er diente ursprünglich als Gegengewicht zum Taufdeckel und senkte sich, wenn man den Taufdeckel hoch gehoben wurde.

1575 erste Erwähnung einer Orgel. „… dem Orgelmacher Dirick Hoyer aus Hamborch thogesacht und gegeven vor die orgelen gantz unde myth drin vorgutet und malwerk an den flogeln negentich (90) Daler.“
Diese (wohl einmanualige ?) Orgel mit Flügeltüren wird auf dem neuen Orgellector gegenüber der Kanzel aufgestellt. Bis 1602 sind uns Nachrichten zu Reparaturen an der Orgel nachgewiesen. Kirchenrechnungen aus der Zeit von 1608 bis 1640 sind leider verloren gegangen.
1641 heißt es in einer Kirchenrechnung: „Nach dem Orgelmacher geben, weil die Orgell unferdich, und die belgen undichte, zu machen 18 mk.“
1666 und 1667 weitere Reparaturen durch einen ungenannten Orgelbauer aus Stade.

1671 Kirchenvorstand beantragt beim Stader Generalsuperintendent zum ersten Mal einen Orgelneubau. Doch wegen kriegerischer Zeiten wird das Vorhaben wohl zurückgestellt.
1673 Die alte Orgel erhält mit neuem Organisten auch einen neuen Blasebalg.
1685 Eine schwere Sturmfluth („Katharinenflut“) vernichtet Leben von Mensch und Vieh in der ersten Meile des Alten Landes, somit auch in Hollern. Eine weitere Flut 1686 vernichtet wiederum große Teile der Landwirtschaft.
1688 nehmen die Hollerner wieder Verhandlungen über einen Orgelbneubau mit Arp Schnitger (1648 - 1719) auf. Schnitger, der seine Werkstatt bereits in Hamburg hat, weilt in Stade, um die Orgel in St. Cosmae zu reparieren und umzugestalten. Die Orgelplanung wird durch Vincent Lübeck, Organist in Stade an St. Cosmae begleitet. Der Stader Ratszimmermeister Andreas Henne (Hene, Hehne) wird beauftragt, den neuen „Orgelboden“ (Orgelempore, auch Orgellector genannt) zu bauen. Zur gleichen Zeit entsteht die kleine Empore unter der Orgelempore, der sogenannte „Chor“ oder „Kur“.
1689 Beginn der Orgelarbeiten (Gehäuse, Mechanik, Balghaus und Bälge) in der Kirche.
1690 Die Orgel wird von Hamburg her per Schiff Anfang des Jahres (Februar/März) angeliefert. Im September ist die Orgel fertig. Der Organist Jürgen Scharnhorst stellt Verköstigung der Orgelbauer Gesellen in Rechnung und der Jurat Jacob von Bremen schreibt: „Ist die Neue orgel überliefert, von dem M. Arp Schnitger, und in des H. pastoren Behausung Zu demmahl verunkostet, so ich bezahlet 39 M 8 ß.“
Diesem Festmahl vorausgegangen ist eine kritische Durchsicht und Prüfung des Instrumentes durch Vincent Lübeck.
Ein Kontrakt oder Abnahmebericht ist nicht erhalten. Die ursprüngliche Disposition ist in der Dispositionssammlung (ca. 1833) von Heinrich Renken (Neuenfelde/Lesum) und in den Aufzeichnungen vom Organisten Stölting (1854) und des Orgelbaumeisters Philipp Furtwängler (1856?) überliefert.
Die Disposition lautete:

Hauptwerk
Principal 8’ (Prosp ab E)
Rohrflöte 8’
Octav 4’
Nassat 3’
Octav 2’
Waldflöte 2’
Mixtur 4 fach
Cimbel 3 fach
Tromet 8’
Schalmey 4’

Brustwerk
Gedact 8’
Blockflöte 4’
Octav 2’
Quintflöt 1½’  *
Sexquialter 2 fach
Scharf 4 fach
Krumhorn 8’

Pedal
Principal 16’   **
Gedact 8’
Octav 4’
Mixtur 4 fach
Posaune 16’
Tromet 8’
Cornet 2’

3 Ventile - Manual Ventil, Positiv Ventil, Pedal Ventil
4 Bälgen 8 mal 4 Fuß
Cimbelstern
Tremulant
Vogelgesang

*Renken und Stölting: Quintflöte
** Prospekt ab A

1690 Die Orgel wird durch den Maler Dieterich Oberdorff farblich gefasst.
1693 bis 1695 werden weitere Zahlungen zum Orgelneubau über Vincent Lübeck an Arp Schnitger getätigt.

1734 Didrich Christoph Gloger (um 1705 bis 1773) aus Stade übernimmt die Pflegearbeiten an der Orgel. Im Laufe der Jahre sind mehrere Reparaturen der Orgel durch ihn nachzuweisen. Von 1750 bis 1772 führt er jährlich Pflegearbeiten durch. Nach Glogers Tod führen die jeweiligen Organisten die Pflege durch.

1802 Georg Wilhelm Wilhelmy (1748 - 1806) legt eine gründliche Reparatur der Orgel nahe, da sie „seit wenigstens 40 Jahren nicht repariert“. Das legt nahe, dass die Pflege durch die Organisten nicht sehr sachgemäß verlaufen ist. Die umfangreiche Reparatur durch Wilhelmy kommt aus verschiedenen Umständen nicht zustande.
1817 Georg Wilhelm (1781 - 1858), Sohn Georg Wilhelm Wilhelmys bekommt den Auftrag die Orgel zu reparieren und führt diese Arbeit auch aus. Weitere Reparaturen durch Wilhelm sind bis 1827 nachzuweisen.
1856 Der Kirchenvorstand beschließt, den Orgelbauer Philipp Furtwängler (1800 - 1867) aus Elze bei Hannover mit einer umfangreichen Überarbeitung und Erneuerung der Orgel zu beauftragen.
1858 Furtwängler führt die geplanten Arbeiten aus und ersetzt das Brustwerk Schnitgers durch ein „modern“ gestaltetes Hinterwerk.
Die Disposition der Orgel sieht nach diesen Arbeiten aus wie folgt:

Hauptwerk
Bordun 16’ F  *
Principal 8’ S
Rohrflöte 8’ S
Octav 4’ S
Nashat 3’ S
Octav 2’ S
Waldflöt 2’ S
Sesquialtera 2 fach S/F  **
Mixtur/Scharf ?
Tromet 8’ S

Hinterwerk
Geigenprincipal 8’ F
Spitzflöte 8’ F °
Salicional 8’ F °°
Liebl.-Gedackt 8’ F
Octav 4’ F
Gemshorn 4’ F
Gedackt 4’ F
Quinte 2 2/3’ F
Octav 2’ S/F °°°
Mixtur 4 fach S/F °°°

Pedal
Principal 16’ S
Octave 8’ F
Gedackt 8’ S/F+
Octave 4’ S
Bordun 4’ F
Posaune 16’ S
Trompete 8’ S

* von c - h Holz, von c‘ an Metall
** Tertia 1 3/5 fuß hat noch ein Quinten Chor 1 ½ fuß hinzu erhalten, dazu sind die 24 ersten Pfeifen ganz neu gemacht
° große Octave mit Gambe 8‘ (sic!) verb(unden).
°° große Octave Spitzflöte, ab c offen metall
°°° C - c‘ neu
°°°° Für Scharff 4 fach ist eine große Mixtur 4 fach gesetzt, die auf groß C mit c‘ g‘ c‘‘ g‘‘ anfängt, repetiert auf c und e‘ allemahl….(?) um ein Chor, die größeren Pfeifen alle von 4 Löth. Metall ganz neu, die kleineren nur von alten Pfeifen.
+ C - dis neu aus Holz

(diese kursiv geschrieben Texte geben wörtlich Furtwänglers Worte aus seinen Unterlagen wieder)

Neue Manualclaviere:
Obermanual (Positiv): C D Dis E - c‘‘‘
Untermanual (Hauptwerk): CDEFGA - c’’’
Pedalclavier (alt): CDE - d’
Manualkoppel mit Registerzug
Pedalkoppel
„Cimbelstern“ (ohne Stern)
Kalkanten Glock

Deutlich wird aus dem Studium der Quellen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, dass im Zusammenhang der Orgelbaumaßnahme durch Furtwängler die Empore nicht verändert wurde.
1859 Es gibt vom Hollerner Organisten J. v. Galen bereits heftige Beschwerden über die schlechte Spielbarkeit der Orgel und viele technische Mängel.
1861 und 1864 führt Fa. Furtwängler Pflegearbeiten an der Orgel durch.

1863 Seit diesem Jahr übernimmt der Stader Orgelbauer Johann Hinrich Röver (1812 - 1895) die Pflege der Orgel. Er repariert in den Folgejahren bis 1868 Bälge und Pfeifen.

1901 Die Kirche wird renoviert und die Empore der Orgel umgestaltet und vergrößert, sodass die Pedaltürme zu einem Teil hinter der Emporenbrüstung verschwinden. Dabei finden die originalen Brüstungstafeln Verwendung.
Fortan sind die Füße und Labien der Prospektpfeifen des Pedals aus der Kirche nicht mehr sichtbar.
Der Stader Orgelbauer Gustav Ehlers (1873 - 1938) führt im Rahmen der Kirchensanierung auch Pflegearbeiten an der Orgel durch und ersetzt 1911 die wohl noch originalen Keilbälge durch einen Magazinbalg.

1928 Christhard Mahrenholz besucht die Orgel und fällt ein vernichtendes Urteil über den Zustand der Orgel. Er empfiehlt dem Kirchenvorstand darauf zu achten, auf die alten Bestände der Orgel (Prospekt, Windladen, Pfeifen) acht zu geben, damit diese unversehrt bleiben.

1937 Der erste elektrische Windmotor wird durch die Herforder Elektricitäts-Werke Bokelmann & Kuhlo eingebaut.

1959 Gremien der hannoverschen Landeskirchliche besuchen die Hollerner Kirche und kommen zu dem Ergebnis, da die Schnitger-Orgel restauriert werden soll, muss auch die Emporensituation verändert, die untere kleine Empore abgerissen, und weitere umfangreiche Maßnahmen an der gesamten Kirche ausgeführt werden.

1961 Die Maßnahmen beginnen und die Orgel wird abgebaut. Die Orgelempore wird auf das tiefere Niveau der 1901 erbauten nördlichen Seitenempore gebracht und bekommt eine neue Renaissance-Brüstung, die zuvor im Chorraum platziert war.
Hierbei versschwinden die bemalten Tafeln aus der Orgelbrüstung.
Planungen zur Wiederaufstellung der Orgel zeigen bereits hier Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und den Verantwortlichen der Landeskirche.

1963 Die Fa. Emanuel Kemper und Sohn (Lübeck) wird am 28. März beauftragt, die Orgel zu restaurieren. Die Empfehlung des Verdener Kirchenmusikdirektors Alfred Hoppe, die Fa. Kemper zu beauftragen, wird schon zu diesem Zeitpunkt sehr kritisch betrachtet, doch Hoppe setzt sich durch. Im Oktober 1964 baut Kemper erste Pfeifen aus. Es wird ein neues, zu großes Untergehäuse gebaut, das die Orgel fortan in ihrer Aufstellung mit gestörten Proportionen erscheinen lässt. Schleierbretter werden entfernt, Traktur, Spieltisch und Windversorgung erneuert. Die Pedaltürme werden unsachgemäß in die Renaissance-Emporenbrüstung eingefügt. Im Brustwerk werden Laden und Pfeifen bis auf Sesquialtera und Scharff neu gemacht, alle alten Pfeifen werden überarbeitet und verändert. Das z.T. alte Register Gedact 8‘ im Pedal wird endgültig eingeschmolzen. Der Prinipal 16‘ des Pedals wird z.T. zur Octave 8‘ und zum Subbaß 16‘ umgebaut.
Im Prospekt des Pedals stehen nun die folgenden alten aber umgebauten Pfeifen:
rechter Pedalturm: linker Pedalturm:
D* G* D** F* F** A* H* C* E* Fis* E** Gis* B* c*
* = Oktavbass 8’
** = Subbass 16’ (die ursprünglich offenen Pfeifen sind nun gedeckt)

Die Disposition der Orgel hat nun folgende Gestalt: 

Hauptwerk
Principal 8' S
Rohrflöte 8' S
Oktave 4' S
Nassat 3' S
Oktave 2' S
Waldflöte 2' S
Mixtur 4fach K
Zimbel 3fach K
Trompete 8' S
Vox humana 8' S K

Brustwerk
Gedakt 8' K
Blockflöte 4' K
Oktave 2' K
Quintflöte 1 1/3' K
Sesquialtera 2fach S/K
Scharff 4fach S/K
Krummhorn 8' K

Pedal
Oktavbaß 8' S/K
Subbaß 16' S
Oktave 4' S
Mixtur 3fach K
Posaune 16' S
Trompete 8' S
Cornett 2' K

(S = Schnitger / K = Kemper)

Manualumfang: CDEFGA - c’’’, Pedalumfang: CDE - d’, „Glockenspiel“ (Akkordglocken ohne Stern; Furtwängler), Vogelgesang (K), Tremulant BW (K) Manualkoppel,
2 Schwimmerbälge, Tonhöhe: ca. ½ Ton über normal


Nach der Fertigstellung der Orgel geriet die Kirchengemeinde unverschuldet zwischen die Fronten eines Streites. A. Hoppe hatte nach der Fertigstellung die Orgel abgenommen und es war ein Fest zum Abschluss der Arbeiten am 19. Juni 1966 gefeiert worden. Das Landeskirchenamt setzte ein Jahr später eine Kommission ein, zu der A. Hoppe, Hans Jendis (Göttingen) und Helmut Winter (Hamburg) gehörten. Hoppe verwies auf sein Gutachten und wirkte in der Kommission nicht mit. Die anderen Fachleute kamen zu dem Ergebnis, die Abnahme der Arbeiten ablehnen zu müssen. Der Ausgang der gravierenden Meinungsunterschiede ist nicht bekannt.

1978 Nach dem Tod von Emanuel Kemper im Jahr 1978 und der Auflösung der Firma übernimmt Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) die Pflege der Orgel. Neben dieser Pflege geschah im Hinblick auf die Verbesserung der Orgelsituation nichts. Zu sehr wirkte der „Orgelstreit“ nach. Der Kirchenvorstand lehnte 1995 eine Beratung im Hinblick auf eine Restaurierung der Orgel durch die Orgelsachverständigen Uwe Droszella und Albrecht Ubbelohde ab.

2000 Nach Kirchenvorstandswahlen findet sich ein kleiner Kreis von neuen Kirchenvorstandsmitgliedern, Pastor Bodo Kromus, Organistin Sonja Haack mit dem Orgelsachverständigen Martin Böcker zusammen, um eine Restaurierung der Orgel zu erörtern. In einem Gemeindeabend wird der Kirchengemeinde die Orgelsituation mit ihren Problemen nahe gebracht. Es bildet sich der Arp-Schnitger-Kreis e.V., der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Orgelrestaurierung ideell und finanziell voranzutreiben.
Das Landeskirchenamt setzt aufgrund der sehr positiven Entwicklung bezüglich der Orgelfrage in Hollern am 28.3.2001 einen Sachverständigenausschuss (im Folgenden kurz: SVA) ein. Dem SVA gehören folgende Experten an:
Martin Böcker (Stade; Vorsitzender des SVA), Hans-Ulrich Funk (Herzberg), Peter Golon (Stade), Dipl. Ing. Klaus Lünstedt (Amt für Bau- und Kunstpflege Verden)
Prof. Harald Vogel (Osterholz-Scharmbek)

2002 Am 2.12. beschließt der Kirchenvorstand, nachdem eingeholte Kostenvoranschläge gesichtet und geprüft worden sind, dass die Arp-Schnitger-Orgel in Hollern restauriert werden soll und wenn 60% der Kosten angespart sind, den Auftrag der Firma Jürgen Ahrend zu erteilen. Von Anfang an ist deutlich, dass die Restaurierung durch den Sohn Jürgen Ahrends, Hendrik durchgeführt werden würde. 2004 erfolgt dann auch die Übergabe der Orgelbauwerkstatt an Hendrik Ahrend.

2004 Die Arp-Schnitger-Orgel wird durch das Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (Dr. Kimpflinger) im Sinne der staatlichen Denkmalpflege bewertet, das Restaurierungsvorhaben befürwortet und die Schnitger-Orgel aus historischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Gründen als Kulturdenkmal nach §3(2) NDSchG eingestuft.

2005 Nach Überlegungen, das Projekt in zwei Bauabschnitte aufzuteilen, kann im November 2005 die gesamte Restaurierung bei der Werkstatt Ahrend in Auftrag gegeben werden.

2006 Das Orgelgehäuse wird vom Restaurierungsatelier Dietrich Wellmer aus Groß Thondorf (bei Uelzen) untersucht und die ursprüngliche Holzsichtigkeit des Orgelgehäuses, eine erste Farbfassung und deren spätere Veränderungen festgestellt.

2010 Im Februar wird die Orgel abgebaut und in die Werkstatt verbracht. Zwischenzeitlich kann mit den entsprechenden Gremien (SVA, Amt für Bau- und Kunstpflege, Kirchenvorstand) vereinbart werden, dass die Empore nach alten Fotos rekonstruiert wird, um eine optimale Aufstellung der Orgel zu ermöglichen.

2011 Im Frühjahr beginnen die Rekonstruktionsarbeiten an der Empore und der Wiederaufbau der Orgel. Durch D. Wellmer wird die historisch erste Farbfassung inklusiv der überlieferten Sinnsprüche wiederhergestellt. Im Mai und Juni intoniert Hendrik Ahrend die Orgel.
Am 8. Juli findet die Abnahme der Orgel durch den Sachverständigenausschuss in Anwesenheit des Kirchenvorstandes, des Vorstandes des Arp-Schnitger-Kreises, Verantwortliche aus dem Landeskirchenamt und des Orgelbauers statt. Das Ergebnis der Restaurierung wurde als außergewöhnlich gut beurteilt und nach einem Bespielen der Orgel durch den Vorsitzenden des SVA Martin Böcker (Organist an St. Cosmae und Orgelsachverständiger) und Prof. Harald Vogel fand man sich in der Kirche zu einem festlichen „Convivium“ zusammen.
Am 28. August wird die Orgel in einem feierlich gestalteten Tag mit Gottesdienst, Orgelführungen (S. Haack, M. Böcker H. Vogel) und Orgelkonzert (M. Böcker) wieder eingeweiht.

Eine ausführliche Schilderung der Geschichte, Bericht des Orgelbauers und SVAs, des Restaurators der Farbfassung etc. ist zu lesen in:

Festschrift zur Wiedereinweihung
der durch Hendrik Ahrend restaurierten Orgel am 28. August 2011
Die Schnitgerorgel in St. Mauritius zu Hollern
Im Auftrag des Arp Schnitger Kreises - Freunde der Kirchenmusik in Hollern-Twielenfleth e.V.
ISBN: 978-3-931879-49-5