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Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 30.08.2011
Mit Orgelklängen durch Europa
Martin Böcker spielt Einweihungskonzert der restaurierten Arp-Schnitger-Orgel
Gisela Rivinius-Stucke HOLLERN. "Musick aus allen Landen, da Meister Arp orgell-instrumenta gelieffert" war am Sonntag zu hören beim Einweihungskonzert der restaurierten Arp-Schnitger-Orgel in der St.-Mauritius-Kirche in Hollern. Die ebenso spannende wie vergnügliche kirchenmusikalische Lehrstunde stand am Ende des Arp-Schnitger-Festes, mit dem die Kirchengemeinde den Schlusspunkt unter das Projekt setzte, ihrer Orgel neuen Glanz zu geben.
Das Instrument in Hollern entstand in den Jahren 1689/1690, wurde oft umgebaut und dem jeweiligen Zeitgeist angepasst, bis es sich seiner neuen Organistin Sonja Haack in überaus marodem Zustand präsentierte. Jetzt sind die Zeiten mit Zinnfraß und schiefen Tönen Vergangenheit - die Experten der Orgelbauwerkstatt Hendrik Ahrend aus Leer ging ebenso behutsam wie konsequent ans Werk und lieferten ein Ergebnis, das nicht nur Sachverständige zum Strahlen bringt.
Sein beruflicher Weg führte den großen Orgelbaumeister Arp Schnitger unter anderem in die Niederlande, nach England, auf die iberische Halbinsel, an den Zarenhof, nach Magdeburg, Berlin - und natürlich nach Hamburg, Stade und ins Alte Land. Diesem Weg folgte Martin Böcker, Kantor an St. Cosmae in Stade und in die Restaurierung eingebunden, mit seinem außergewöhnlichen Programm.
Böcker brachte Register wie Schalmey, Cimbel, Trommet, Posaun, Cornett, Prinzipal oder Krumphorn zum Klingen, verblüffte das Publikum mit Vogelgesang oder dem Einsatz der Cimbelsterne und erwies der neu erblühten "Königin der Instrumente" gebührende Reverenz. Moderiert von Pastor i.R. Peter Golon, wurde aus der spätnachmittäglichen Orgelstunde ein musikgeschichtlicher Exkurs. "In Stade fing alles an", so Peter Golon. Hier traf Schnitger Vincent Lübeck, hier lernte er den Komponisten Georg Böhm kennen. Das Hollerner Publikum lernte zunächst zwei Werke dieser Alten Meister kennen.
Ob das "Camphusen Manuscript von 1652" eines niederländischen Meisters oder kleine musikalische Kostbarkeiten des englischen Komponisten John Blow (1649 bis 1708): Es waren immer wieder neue, überraschende Klangbilder, mit denen Böcker sein Publikum verzauberte.
Über die Weltmeere reichten Hamburgs Handelsbeziehungen a bis Spanien und Portugal, mindestens vier Orgeln zeugen hier vom Wirken des norddeutschen Orgelbaumeisters. Der Ruf Arp Schnitgers reichte gar bis nach Russland - ein deutscher Kaufmann hatte für die Kirche in einer deutschen Siedlung in Moskau ein Instrument bestellt. Was zur Folge hatte, dass der spätere Zar Peter der Große eine Orgel für den Zarenhof orderte. In Magdeburg hatte Schnitger von 1689 bis 1706 Gelegenheit, acht große Orgeln zu bauen, bevor er als "Königlich Preußischer Hoforgelbauer" das Instrument in der Kapelle des Charlottenburger Schlosses fertigte. Am Ende der Reise stand wieder Vincent Lübeck: Mit einer "Chacon" seines Vorgängers im Amt eines Cosmae-Kantors beendete Martin Böcker die vielfarbige, hochkarätige und differenziert gebotene Demonstration eines Instruments, das hoffentlich auch in Zukunft viele Menschen mit seinem reichen Klang erfreuen wird.
30.08.2011