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Geistliches Wort im Juni 2010

Schon seit Jahrhunderten schauen zwei Männer aus dem Altarbild der St.-Mauritius- Kirche zu Hollern auf die Gemeinde herab. Der eine ist hinlänglich bekannt: Martin Luther, aber den zweiten kennt kaum jemand.
Sein Name ist Philipp Melanchthon. Luther sagte über ihn, er sei ein „guter Kollege“, „ein wunderbarer Mensch, ja einer, an dem fast alles übermenschlich ist, er ist mir dennoch ganz vertraut und befreundet.“ Luther sagte weiter scherzhaft: „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie.
Vielleicht bin ich nur der Vorläufer Philipps.“Wir denken in diesem Jahr an Melanchthon, weil sich im Jahre 2010 sein Todestag zum 450. Mal jährt. Er war der Mann hinter und neben dem großen Reformator Luther, dennoch ist er weit weniger bekannt.
Er war der „Denker“ an der damaligen Universität Wittenberg. Schon im Alter von 21 Jahren war er Professor für Griechisch und Biblische Theologie.
Der große Geist im kleinen Körper: Bewunderung befällt die Zeitgenossen, wenn sie den etwa 1,50 Meter großen Mann sprechen hören, die Breite des Wissens, die Präzision des Denkens und die Klugheit der Sprache.
Ohne Melanchthon wäre unsere evangelische Kirche nicht so, wie wir sie kennen. Viele der Schriften Martin Luthers sind von Polemik gekennzeichnet, weil er sich unglaublich über die Zustände in der katholischen Kirche ärgerte. Melanchthon blieb immer sachlich in der Auseinandersetzung.
So kam kein ernst zu nehmender Theologe der Zeit an seinen Schriften vorbei. Das berühmte Augsburger Bekenntnis stammt aus seiner Feder, und er schrieb die ersten Lehrbücher reformatorischer Theologie. Ein besonderes Anliegen war ihm die allgemeine Bildung. Nur durch Bildung bekommen die Menschen Perspektiven für ihr Leben. Das allgemeine Schulwesen, das wir für so selbstverständlich halten, geht zu einem guten Teil auf die Gedanken Philipp Melanchthons zurück.
Wir wollen des großen unbekannten Reformators gedenken in den Gottesdiensten am 27. Juni.
 
Ihr Pastor Uwe Junge    
 

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