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Geistliches Wort: zu Ostern in Rom

Foto Rom.png

Liebe Gemeinde,

am Aschermittwoch beginnt in unseren Gemeinden die jährliche Vorbereitungszeit auf Ostern, die siebenwöchige Passionszeit. Es sind Wochen, in denen das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi besonders bedacht werden. Als „Kulisse“ für das Geistliche Wort zur Passions- und Osterzeit habe ich die Ewige Stadt, Rom, ausgewählt. Dort konnte ich das Osterfest vor einigen Jahren als Student miterleben.

In den Tagen vor Ostern drängen sich auf meinen Wegen zur Universität, in Bussen, U-Bahnen und an den Sehenswürdigkeiten Roms deutlich mehr Menschen als sonst. Etwas Besonderes liegt in der Luft: Ostern. Aus aller Herren Länder sind Menschen gekommen, um in der ewigen Stadt das Osterfest zu feiern. In Rom bieten die Bauwerke der Antike und der Renaissance einen einmaligen Rahmen für das geistlich- religiöse Miterleben dieser Tage.

Am Abend des Karfreitags stehe ich mit tausenden Römern und Pilgern vor dem erleuchteten Kolosseum. Der Lärm der Straßen, die Fröhlichkeit der Römer und Touristen ist verklungen. Schweigend stehen die Menschen vor dem Kolosseum mit Kerzen in der Hand und horchen auf die Leidensgeschichte Jesu. Die Stille des Karfreitags unterbricht den Alltag. Sie lässt aufhorchen auf Gott, der in Jesus Christus in die Tiefe des Leidens hinab stieg. Gott leidet und stirbt in Christus, um uns Menschen ein neues Leben zu schenken.

Die österliche Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod versammelt Römer und Pilger erneut. Nachdem ich frühmorgens in der deutschen evangelisch- lutherischen Gemeinde den Osternachtsgottesdienst mitgefeiert habe, ströme ich mit Tausenden von Menschen zur Ostermesse auf dem Petersplatz. Hier wollen die Menschen in den Armen der vierfachen Säulenreihen den päpstlichen Segen urbi et orbi, der Stadt und dem Erdkreis, in jeder in seiner Sprache erhalten. Von meinem Platz aus ergibt sich ein beeindruckender Blick auf den Petersplatz: ein Blumenmeer umgibt den Hauptaltar, auf dem Platz ist die Schweizer Garde in ihren rot-blau-gelben Paradeuniformen angetreten, das Musikkorps der italienischen Polizei spielt auf. Die Stimmung auf dem Platz ist ausgelassen. Das südländische Temperament der Römer ist wieder erwacht und hat manchen Touristen angesteckt. Sprechchöre hallen über den Platz, Fahnen werden geschwenkt. Die Ausgelassenheit der Pilger mag nicht so recht zur Würde eines Ostergottesdienstes passen – doch das ist eben Rom. Der Ruf: „der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“ verbindet einen Moment lang die Gemeinde auf dem Petersplatz mit allen anderen Christinnen und Christen auf der ganzen Welt. Ostern hat Christen in allen Jahrhunderten zu einem neuen Leben ermutigt: Das Leben geht weiter! Die römische Urgemeinde war schon um 55 n. Chr. eine der bedeutendsten christlichen Gemeinden. Die Osterbotschaft hat die Christen der römischen Urgemeinde angeregt, diesen Glauben an die Auferstehung Christi weiter zu geben. Und viele sind für diesen Glauben standhaft geblieben, bis in den Tod. Wie die Botschaft vom auferstandenen Christus von der kleinen christlichen Urgemeinde Roms heraus in die ganze Welt, bis zu uns ins Alten Land herausgetragen worden ist, wird mir auf dem Petersplatz bewusst. Dieser Osterglaube hat sich stärker erwiesen als die Mächte des Todes und der Gewalt, die noch am Karfreitag triumphierten. Ostern schenkt uns das Leben in neuer Fülle.

Karfreitag und Ostern gehören zusammen. Denn erst vom Karfreitag her können wir die Freude über Ostern und die Auferstehung mitempfinden. Die Freude über die Auferstehung hat sich in der italienischen Sprache verfestigt: Um jemanden zu bezeichnen, der überglücklich ist, sagt der Römer: Er sei glücklich wie ein Osterfest.

Etwas von dieser südländischen Freude über die Osterbotschaft werden wir auch in unseren Gottesdiensten in Jork und Borstel spüren. Herzliche Einladung zu unsren Gottesdiensten in der Passions- und Osterzeit.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Passionszeit und ein frohes Osterfest,

 

Paul Henke, Pastor

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