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Turmuhr in St. Mauritius zu Hollern

Technik ist solide, der Antrieb immer noch mechanisch: seit 105 Jahren tut die Kirchturmuhr in der Hollerner St.-Mauritius-Kirche ihren  Dienst. Nur wetterfühlig sei die „Madame“, wie Anette Tiedemann die Uhr liebevoll nennt. Beide haben viel zusammen zu tun.

„Zwei Mal in der Woche ziehe ich die Uhr und das Geläut hoch“, sagt die Küsterin. Über die Orgelempore geht es in den Kirchturm und eine steile Holztreppe hoch. Der Wind pfeift durch die Schießscharten des alten Wehrturmes. Und Anette Tiedemann legt sich ins Zeug. Mit beiden Händen, unterstützt vom Körpergewicht, setzt sie Zahnräder und Seilzug in Bewegung, kurbelt die Gewichte hoch. Es rattert laut. Zwei Mal geht das so. Das dritte Gewicht bleibt im Sand  unten stehen. „Die Betglocke ist schon seit Jahren außer Betrieb.“

 

Die Uhr der Firma J. F. Weule in Bockenem stammt aus dem Jahr 1906. Das  Pendel, etwas größer als bei einer Standuhr, schwingt, setzt ein Ankerrad in Bewegung. Ein  gleichmäßiges „Klick-Klack“ ist zu hören und zu sehen.  „Im Sekundentakt“, sagt Tiedemann und blickt fasziniert auf die begreifbare Mechanik. „Schön, alt und intakt. Alles lässt sich manuell regeln.“ Selten muss sie das Pendel ausjustieren. Erst einmal in den elf Jahren ihres Dienstes war eine Reparatur nötig. Die Bänder, an denen das Pendel hängt, wurden erneuert.

„Bloß wenn sich das Wetter ändert, dann spinnt Madame“, schmunzelt die Hollernerin. „Bei Sturm kommt sie auch mal ganz durcheinander.“ Schwieriger, als die   Uhrzeit neu einzustellen, sei es, den Glockenschlag auf den 24-Stunden-Rhythmus abzustimmen. Die Anwohner sind aufmerksam. „Der erste, der mir morgens über den Weg läuft, spricht mich an, wenn die Uhr nicht richtig geht.“ Zwei Minuten Spiel gibt sie ihr.

Die meisten Turmuhren gehen  auf die Sekunde genau. Sie werden elektrisch oder per Funk  gesteuert, wie zum Beispiel in Twielenfleth. Das Läuten ist einprogrammiert. Die Stundenglocke  und die großen Glocken schlagen automatisch. Da braucht niemand Silvester um Mitternacht zur Kirche zu laufen. In Hollern schon. Per Knopfdruck setzt Anette Tiedemann die großen Glocken in Betrieb. Punkt 24 Uhr läuten sie das neue Jahr ein. „Nachts das Läuten zu hören, ist wunderschön“, sagt die kirchliche Mitarbeiterin. Nicht nur ihr Ehemann ist dabei. Nachbarn treffen sich vor der Kirche und stoßen mit Sekt an. (kal)

 Foto: Lankuttis