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Geistliches Wort

 

 

Liebe Gemeinde,

wir sind jetzt in der 7-wöchigen Passionszeit. Es ist die Vorbereitungszeit auf Karfreitag und Ostern. Ein mir befreundeter Pastor sagte mal: „Wenn die meisten Kirchenmitglieder etwas von der Passionszeit hören, dann denken sie höchstens an die Aktion „7 Wochen ohne“. Auf gut Deutsch: Viele Menschen können mit der eigentlichen Bedeutung der Passionszeit nicht mehr viel anfangen. Die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ will dazu anregen, der eigenen Gesundheit Aufmerksamkeit zu schenken und alte Gewohnheiten zu durchbrechen. Doch die Passionszeit sollte mehr sein, als nur das innere und äußere Wohlempfinden zu steigern. Der Kern der Passionszeit ist, sich in den Wochen vor Ostern mit der Leidensgeschichte Jesu zu beschäftigen. Ich gestehe: Haben wir als christliche Gemeinde und gerade wir Pastoren den Mut, das Leid und den Tod Jesu in unseren Gottesdiensten anzusprechen? Aber gerade darum, weil das Thema „Leid“ für viele Menschen so unattraktiv und  unangenehm wirkt, sollten wir als Christen dieses Thema aufgreifen. Denn wie viele negative Nachrichten aus aller Welt müssen wir täglich verarbeiten? Die Leidensgeschichte Jesu enthält viele Kapitel menschlichen Lebens: Freundschaft, Verrat, Verachtung, körperliche Vernichtung. Wer von uns findet sich nicht in einem dieser Themen wieder? Unser Gott zeigt sich in Jesus von Nazareth so menschlich. Gott trägt die Ungerechtigkeit der Welt im Leiden mit. Und so kann er uns genau da am nächsten sein, wo wir ihn am dringendsten brauchen. In der Not. In der Verzweiflung. Im Leid. Ein Theologe beschrieb es mal so: „Gott wird klein, damit wir ihn fassen können.“ Die Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte Jesu hilft, sich dem eigenen Leiden und Problemen zu stellen und einen neuen Zugang zu ihnen zu finden. Und so gelangen wir durch das Dunkel zum Licht. Durch Leid zur Freude. Vom Tod zum Leben. Durch das Kreuz zur Auferstehung.

Ihr Pastor Paul Henke