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Bereits im 12 Jh. wusste der römische Schriftsteller Plinius von dem Volk zu berichten, das damals am Ufer der Unterelbe siedelte. Er scheibt, dass die als Shauken bezeichneten Bewohner ihren Lebensunterhalt mühsam mit Fischfang, Ackerbau und Viehzucht verdienten und ständig gegen den morastigen Boden und die Naturgewalten zu kämpfen hatten. Später mischten sich die Sachsen mit dem Fischervolk der Shauken. Dies ist heute unter anderem noch an der ungewöhnlichen Form der Dörfer zu erkennen, die als Deich-Hufendörfer bekannt sind.
Vom Fischfang leben die Bewohner des Alten Landes heute nicht mehr, und auch der Kampf gegen die Naturgewalten hat an Härte eingebüßt, seit Deiche das Land weitgehend vor der Flut schützen. In den vergangenen Jahrhunderten haben die Bewohner des Alten Landes Stück für Stück den sumpfigen Boden in kultiviertes Marschland umgewandelt. Dies gelang mit Hilfe von holländischen Deich- und Entwässerungsexperten, die im 12. Jahrhundert von den Bremer Erzbischöfen ins Land gerufen wurden. Windmühlen, kleine Brücken und die charakteristische Bauweise der langgezogenen Reihendörfer wie Hollern, Steinkirchen und Jork weisen noch heute auf den Einfluß dr Holländer hin. Sie waren es auch, die im 12. Jh von Stade aus das Alte Land kolonisierten.
Die Türme der Kirchen im Alten Land stehen neben den Kirchenschiffen, da die Last der Türme sonst nicht tragen würde.
Die Orte Majork (Jork) und Zesterfleth (Borstel) finden zum ersten Mal 1221 in einer Urkunde Erwähnung.
Auch die Geschichte des Gräfenhofes, des Jorker Rathauses, geht vermutlich bis zu den Anfängen des Alten Landes zurück. Die Kirche von Jork, die St. Matthias Kirche, die größte im Alten Land ist besonders sehenswert und recht alt. Neben dem Backsteinbau, in zwei Abschnitten 1664 und 1709 errichtet, befindet sich der aus dem Jahre 1685 stammende, freistehende hölzerne Glockenturm. Der Altar wurde "Gott zu Ehren" im 18. Jh von dem Hamburger Kaufmannseheleuten Claus und Anna Schuback gestiftet. Sie hatten ein Erdbeben in Lissabon überlebt. Vor der modernen Orgel (1988) befindet sich der unter Denkmalschutz stehende Orgelprospekt aus der Werkstatt Arp Schnitgers (1709).
Der Kirchturm von Hollern, die St. Mauritius-Kirche aus dem 12. Jh, ist das älteste Gebäude im Alten Land. An den Schießscharten kann man noch heute erkennen, dass er früher als Wehrturm diente. Zum Schutz gegen die Überflutungen wurden Kirche und Turm auf einer Wurt errichtet. Das Kirchenschiff und der Altarraum waren ursprünglich im gotischen Stil erbaut. Hiervon sind nur noch die Grundmauern erhalten. Im Inneren befindet sich eine wertvolle Arp Schnitger Orgel (restauriert 2010/2011), die nicht nur zu den Gottesdiensten erklingt, sondern auch einmal im Monat als Konzertinstrument.
An der Kirche in Twielenfleht, der St. Marin-Kirche, ist ebenfalls ihr Standort bemerkenswert. Auch sie steht auf einer Wurt, einem künstlich errichteten Hochwasserhügel. Diese schöne Kirche wurde 1819 neu errichter. Ihre Vorgängerin bereits 1335 erwähnt. Inmitten von Obstplantagen, unweit von Windmühle und Leuchtturm liegt diese anheimelnde Fachwerkkirche. Ihr Name weist auf den wunderschönen Altar hin, in dessen Mittelpunkt Maria, die Mutter Jesu, steht. Katholische Besucher der Kirche sind überrascht, solcheine Darstellung in einem evangelischen Gotteshaus zu finden. Der Altar und andere Kunstgegenstände stammen noch aus der alten Twielenflether Kirche, die ein Opfer der Sturmflut wurde. Die Furtwängler-Orgel von 1860 ist noch in ihrem ursprünglichen Zustand.
Die Fachwerkkirche von Gründeich, die St. Marien-Kirche wurde bereits 1605 errichtet. Sie wurde von einer Schwedin gestiftet. Auch ihre Geschichte ist geprägt von schweren Sturmfluten. Flügelaltar, Taufstein und Kanzel stammen noch aus dieser Zeit.. Man gelangt durch das alte Brauthaus auf der Südseite der Kirche in das freundlichwirkende, hellgestrichene Gotteshaus. Sämtliche Ausstattung aus den Jahren 1616 bis 1618 wurden von der Familie des Oßwald von Zesterfleth gestiftet.
Fast ebenso alt ist die St. Martini-Kirche in Estebrügge. 6115 Reichstaler, 26 Schilling und 6 Pfennige - soviel ließen es sich die Einwohner in Estebrügge vor 300 Jahren kosten, eine neue Kirche zu bauen. Dabei stammen die ältesten Teile der Kirche, die 1700 erneuert worden war, sogar aus den Jahren um 1345. 1959 machte sich der Enkel des deutschen Organisten und Orgelbauers Kemper, Emanuel M. Kemper nach den Zerstörungen der Kriegsjahe an den Orgel-Neubau hiter historischem Prospekt von Arp Schnitger (1702).
Die Kirche in Borstel, die St. Nikolai-Kirche musste dreimal nach schweren Stürmen und Sturmfluten im 14. Jahrhundert neu errichtet werden und bekam jedesmal einen anderen Standort. Der Glockenturm aus dem Jahre 1695 befindet sich, tüpisch für Kirchen im Alten Land, 1 m abseits des Kirchengebäudes. Eines der ältesten Stücke der Kirchenausstattung im Alten Land ist die Schlagglocke (um 1200). Mit der wundervollen Arp Schnitger Orgel aus dem Jahre 1677, der Bronzetaufe (um 1325), der Madonna auf der Mondsichel (1475/1500), dem Gestühl (1636), dem prächtigen Kanzelaltar (1771/72) so wie der farbenprächtigen Bemalung, hält diese Kirche noch eine Vielzahl an Besonderm für ihre Besucher bereit.
Von einem gewaltigen Unwetter wurde auch die St. Bartholomäus-Kirche in Mittelnkirchen im Jahre 1837 getroffen. Die Gemeinde entschloß sich damals die zerstörte Turmspitze nicht wieder aufzubauen. Erwähnt wurde sie, gebaut auf einer der Gemeinde seit Jahrhunderten dienenden Friedhofswurt, erstmals 1322. Diese Kirche beeindruckt mit ihren biblischen Darstellungen in den bunten Scheiben. Die Schreiber-Orgel ist mit 32 Registern die Größte im Alten Land und eine wahre Kostbarkeit. Vorbild des im 18. Jh. zusammen gefasten Kanzelaltars, war derjenige, aus der Kirche in Steinkirchen.
Die kleinste Kirche im Alten Land ist die St. Johannis-Kirche und steht in Neuenkirchen und kann über den Turm betreten werden. Sie wurde 1270 vom Ritter Johannes Schulte de Lu östlich der Lühe errichtet und erinnert mit ihren Kabinettscheiben an jenes alte Rittergeschlecht. 1274 wurde dieses kleine Gotteshaus zur Klosterkirche eines von dem selben Ritter gestifteten Nonnenklosters, welches vermutlich 1283-86 an den heutigen Ort Neukloster verlegt wurde. Im Inneren der Kirche fällt der Blick sofort auf den Altar. Auf diesem befindet sich ein mittelalterliches Flügelretabel mit 13 Einzelfiguren. Ein stück Altländer Kirchengeschichte verkörpern 24 Kabinettscheiben.
Die St. Martini-et Nicolai-Kirche in Steinkirchen wurde bereits 1332 in einem Ablassbrief des Pabstes Johann XXII erwähnt. Wann sie genau gebaut wurde ist jedoch nicht bekannt. Offenbar gab die "Steinerne Kirche" jedoch dem Ort Steinkirchen seinen heutigen Namen. 1696 wurde der hölzerne ebenfalls neben der Kirche stehende Glockenturm errichtet. Die wertvolle Arp Schnitger-Orgel aus dem Jahre 1687 lockt Besucher von Nah und Fern.
Die 10 Kirche der 3 Meilen vor Hamburg steht heute auf Hamburger Raum in Neuenfelde. Die St. Pankratius-Kirche wurde 1682 erbaut und ist bis heute nahezu unverändert erhalten. Sie besticht durch ihre einheitliche hochbarocke Ausstattung aus den Jahren 1682 bis 1731 und zählt damit zu den bedeutesten Barockkirchen Norddeutschlands. Aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau der heutigen Kirche sind ein romanischer Taufstein und der Grabstein eines Pristers Johannes von 1503 erhalten. In besondere Weise ist die Neuenfelder Kirche mit dem Leben und Werk des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger (1648-1719) verbunden. Schnitgers erste Ehefrau Gertrud Otte war die Tochter eines Neuenfelder Obstbauern. In der Kirche befinden sich der prächtige Kirchenstuhl und das Grab der Familie Schnitger.