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Kirchen im Alten Land

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Hoc est corpus - und kein Ende...

Der Artikel „Hoc est corpus…“ im letzten Glockenschlag war mein Versuch, die Unterschiede im Abendmahlsverständnis bei Lutheranern, Reformierten und Katholiken in glossierender Weise möglichst plastisch hervortreten zu lassen. Dabei ist es zu Vereinfachungen gekommen, die Irritationen ausgelöst haben. Mir scheint es also angebracht, das Thema in differenzierterer Form noch einmal aufzugreifen:

Lutheraner und Reformierte eint mehr als sie tatsächlich trennt. Beide verstehen sich als Kinder eines historischen Prozesses. Seit 1973 gibt es mit der „Leuenberger Konkordie“ sogar die Vereinbarung, Abendmahl und Predigtdienst in Gemeinschaft zu feiern bzw. zu versehen, wo das gewünscht wird. In Bezug auf das Abendmahl wird behauptet: Entscheidend ist nicht die Art und Weise der Gegenwart Jesu Christi ist, sondern dass der Gastgeber Jesus Christus uns einlädt - und nicht wir ihn.

Das kann man so machen, muss man aber nicht.[1] Mir ging und geht es sehr wohl um die Art und Weise der Gegenwart Jesu, denn nach meinem Verständnis kann die Verheißung von Gnade durch das Sakrament nicht von seinem Leib im Brot und seinem Blut im Wein gelöst werden. Wenn lediglich auf ihn, Christus, verwiesen wird, bzw. er sich auf nicht näher bestimmte Weise irgendwie schenkt (wenn auch „mit Brot und Wein“), scheint mir der leiblich-seelische Empfang der Gnadengabe unterbelichtet zu sein. Daher auch meine besondere Akzentuierung des Unterschieds.

Auch Lutheraner und Katholiken eint  mehr als sie trennt. Was sie trennt, ist allerdings bestimmend für ihr jeweiliges Kirchenverständnis und deswegen auch nicht einfach mit etwas gutem Willen aus dem Weg zu räumen. Vor naivem Optimismus in dieser Richtung haben z.B. schon vor zwanzig Jahren 250 evangelische Professoren gewarnt, als die sog. „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von Lutherischem Weltbund, Katholischer Kirche und Methodisten in Vorbereitung war - leider vergebens. Schon zwei Jahre später verdeutlichte Rom mit der Erklärung „Dominus Jesus“ in dankenswerter Klarheit,  dass die lutherischen Kirchen nicht in gleicher Weise Kirche sein können, wie dies eben nur die „Una Sancta“ kann. Hier offenbart sich, welche Probleme das katholische  Verständnis vom kirchlichen Amt mit sich bringt. Als Lutheraner haben wir „den gültigen Episkopat (nicht) bewahrt“.[2] Aus Sicht der Papstkirche befinden wir uns also nicht auf Augenhöhe, waren dort nie und werden das auf (un)absehbare Zeit auch nicht sein. Dass Franzikus freundlich wirkt, es wahrscheinlich sogar gut meint, tut nichts zur Sache. Kein hier zitiertes Stück katholischer Lehre ist bislang revidiert. Sich das klar zu machen schützt vor falschem ökumenischen Überschwang.

Was nun das Abendmahl betrifft, gilt: Ein evangelisches Abendmahl ist nach katholischer Lehre keins. Es kann nicht wirken, da es gleichsam unqualifiziert eingesetzt wird. Katholischen Christen ist es verboten, am lutherischen Abendmahl teilzunehmen. Priester sind gehalten, zum Empfang nur Katholiken einzuladen - handeln sie anders, dann tun sie es gegen ihre Doktrin.[3]

Die unterschiedlichen Auffassungen in Bezug auf die Elemente, also Wandlung katholischerseits[4], Realpräsenz nach Luther, habe ich in der letzten Ausgabe wiedergegeben, damals aber zugunsten dieser einprägsamen Abgrenzung darauf verzichtet, den Haupteinwand der reformatorischen Kirchen gegen das katholische Abendmahlsverständnis zu benennen: Die Papstkirche geht davon aus, dass der Priester beim Abendmahl ein Opfer vollzieht und dass dieses Opfer dem Selbstopfer Jesu am Kreuz in unblutiger Weise entspricht, ferner, „…dass die Eucharistie außerdem für alle lebenden und verstorbenen Gläubigen dargebracht (wird), als Sühne für die Sünden aller Menschen und um geistliche und zeitliche Gaben von Gott zu erlangen.“[5]  

In den Bekenntnisschriften der Evangelisch-lutherischen Kirche aber heißt es:

„Dass die Messe im Papsttum muß der großeste und schrecklichste Greuel sein, als die stracks und gewaltiglich wider diesen Hauptartikel strebt (Artikel 1 von der Rechtfertigung des Menschen allein durch Christus)…;denn es wird gehalten, dass solch Opfer oder Werk der Messe helfe den Menschen von Sunden, beide hie im Leben und dort im Fegfeuer, welchs doch allein soll und muss tun das Lamb Gottes…“[6]

Soll heißen: In und durch Christus, und zwar allein durch ihn - solus Christus!!! - ist alles schon für uns getan.

Ich habe mich in der letzten Ausgabe des Glockenschlages dieser harten Konkretion enthalten. Nun aber sehe ich mich veranlasst klarzumachen, dass die Betonung dessen, was die Kirchen trennt, keiner Bierlaune entspringt, sondern einen ernsten Hintergrund hat.

Mir ist klar, dass im Leben der meisten Christen solche Unterscheidungen keine Rolle spielen. Sie strengen ja auch an. Und natürlich kann man fragen, ob es angesichts des Bedeutungsverlustes des Christentums in der westlichen Zivilisation nicht dringendere Probleme gibt. In der Tat. Wer aber meint, die Reihen ließen sich schließen, indem man das Trennende beschweigt oder aber eine vage Hoffnung in den Status einer Wahrheit erhebt, der täuscht sich und andere.

In diesem Sinne,

Pastor Helge Scholz

 

[1] Denn so soll nichts anderes als eine sich großzügig gebärdende Nivellierung der Unterschiede, die zu tolerieren vorgegeben wird, durchgesetzt werden.

[2] Aus der „Note über den Ausdruck Schwesterkirchen“ der Kongregation für die Glaubenslehre, Rom 2000.

[3] "Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern." (Codex Iuris Canonici C. 844 §1)

[4] Die Lösung über Substanz und Akzidenz ist philosophisch sicher eleganter als Luthers Ansatz der „Konsubstantiation“. Das kann hier aber leider nicht vertieft werden.

[5] Zitat nach dem aktuellen Katechismus der Katholischen Kirche - Kompendium, Frage 281, Sätze1368-1372.

[6] Zitat: Schmalkaldische Artikel von 1537, II. Teil, Artikel 2.