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Kirchen im Alten Land

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Kanzelaltar

Altar
Kanzelaltar in der Borsteler Kirche
 
Als 1770-1772 die Borsteler Kirche grundlegend renoviert wird, erhält sie einen neuen Altar. Paul Spangenberg, Tischlermeister aus Borstel, fertigt den Kanzelaltar an. Kanzelaltar, das heißt, dass die Kanzel in den Altar integriert ist - dies ist eine besondere protestantische Altarform aus dem 17./18. Jahrhundert. Vor der Renovierung befand sich die eigentliche Kanzel an der Südseite der Kirche - dort, wo 1770/72 eine Seitenempore eingebaut wurde. Der ursprüngliche Altar stand an der selben Stelle wie der jetzige. Für den neuen Kanzelaltar wurde das mittlere Fenster im Chorraum zugemauert.
 
Die frühen Christen hatten als Altar einen einfachen, mit weißem Leinen bedeckten Tisch. Später wurden Bilder und Reliefs hinter dem Altar angebracht. In der Gotik bekam der Altartisch dann einen Altaraufsatz (Retabel). Daraus entwickelten sich die Flügelaltäre. (Durch Öffnen und Schließen der Flügel können wechselnde Altarbilder, passend zur Kirchenjahresszeit gezeigt werden.) In der Zeit des Barocks wird die Rückfront des Altars reich gestaltet - mit Säulen, Bildern und Skulpturen. Aus dieser Zeit entstammt, wie man gut erkennen kann, unser Altar in der St. Nikolaikirche. Die Ausgestaltung der Kanzel zeigt schon spätbarocke bzw. Rokoko-Elemente. Üblich war seinerzeit, das Holz so zu bemalen, dass der Altar wie aus Marmor gefertigt anmutet.
 
Üblicherweise wurde und wird am Altartisch das Abendmahl eingenommen. Wenn, wie in der Borsteler Kirche, die Kanzel in den Altar eingebaut ist, so steht dies für die Gleichberechtigung von „Wort“ (Kanzel) und „Sakrament“ (Altartisch). In einigen evangelischen Altären wurde auch noch die Orgel in den Altar integriert, um die Orgel als eigenständiges Verkündigungsinstrument in den Mittelpunkt zu rücken. Bei der Renovierung 1770/2 erhielt auch die Orgel in unserer Kirche einen neuen Platz. Seitdem steht sie dem Altar gegenüber und steht mit ihm auf einer Linie. Dadurch sollte die Bedeutung der Kirchenmusik noch stärker hervorgehoben werden..
 
Zum Schluss ein kurzer Blick auf moderne Kirchen. Wie wird ein Altarraum im 20./21. Jahrhundert üblicherweise gestaltet? Der Altar ist meist ein freistehender Tisch, von allen Seiten zugänglich. Die Kanzel, soweit überhaupt vorhanden, ist nicht in den Altar integriert. Sie befindet sich häufig an der Schwelle des Altarbereiches zur Gemeinde - als Gegenstück zum Taufbecken. Prediger/innen stehen jedoch meistens an einem Lesepult. Damit möchte man die Nähe des/r Prediger/innen zur Gemeinde betonen. Eine Nähe, die in unserer historischen Kirche schon allein aufgrund ihrer Größe gegeben ist.
 
Karen Jäger