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Kirchen im Alten Land

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Gräber in der Kirche

Grabplatte Kirche Borstel

Die Kirche als Begräbnisort - Grabplatten zeugen von einer alten Tradition

 
Den meisten Gottesdienstbesuchern wird wohl kaum bewusst sein, dass im Mittelgang unserer Kirche Grabplatten liegen. Wir gehen zum Teil achtlos über sie hinweg. Es sind tatsächlich sieben an der Zahl. Dazu kommen noch zwei weitere Grabplatten, davon liegt eine direkt vor dem Altar, die andere rechts neben dem Altar.

Grabstellen in der Kirche sind für die Christen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Zwar haben sie in der Frühzeit ihre Verstorbenen, wie die Heiden, möglichst außerhalb besiedelter Gebiete oder in unterirdischen Katakomben begraben. Doch dies änderte sich spätestens nach dem 4. Jahrhundert. Gläubige wollten nun im Kirchenschiff oder zumindest in der Nähe der Kirche begraben werden. Das Kirchenbegräbnis nahm in der Folgezeit allmählich überhand, so dass sich im 7. und 8. Jahrhundert Synoden mit der Thematik beschäftigen mussten. Fortan, so der Beschluss, der lange Zeit gültig war, sollten nur noch Kleriker oder verdiente Laien einen Begräbnisplatz im Inneren der Kirche erhalten.

 Die Grabplatten in unserer Kirche stammen wohl überwiegend aus dem 18. Jahrhundert. Pastor Wehber schreibt 1784 in einem umfassenden Bericht über seine Kirchengemeinde, dass Gräber an verschiedene „Eingepfarrete“ verkauft seien, „die daraus ausgemauerte Begräbnisstellen haben machen lassen“. Heute sind die eigentlichen Gräber nicht mehr vorhanden, wohl aber die dazu gehörigen Grabplatten. Diese Platten, die meisten mit Eisenringen versehen, waren einst kunstvoll gestaltet. (Dabei nahm man wohl kaum Rücksicht auf die Gottesdienstbesucher, die ja über die Grabplatten gehen mussten.) Im Laufe der Jahrhunderte sind sie jedoch weitgehend abgewetzt. Nur teilweise können wir noch die Inschriften lesen und die Reliefs erkennen. Relativ gut erhalten ist der Leichenstein, wie es in den zeitgenössischen Schriften heißt, von Johann und Metta Reder. Dieser liegt direkt unter der Taufe. In der Mitte wird eine Biblische Szene dargestellt, darunter stehen in den Stein gemeißelt die Namen der Begrabenen sowie das Todesjahr, eine umlaufende Inschrift bezieht sich auf Jesus Christus, „der auferstanden ist von den Toten“. Die zweite Grabplatte, vom Altar aus gesehen, ist die größte. In den vier Ecken sind Engel dargestellt und in der Mitte wieder eine biblische Szene.
 
Pastor Wehber nennt in seinem Bericht vier Namen von Begrabenen bzw. Besitzern dieser Begräbnisstellen: Johann Köpcke, Garlef Köster, Jacob Kieck und Claus Dede. Namen sind lediglich auf drei Grabplatten noch lesbar: Gerdt und Catharina Kieck, wie schon erwähnt Johann und Metta Reder und Hein und Catharina Feldtmann. Letztere teilten sich ursprünglich das „Grab-Gewölbe“ mit Jacob und Gesche Garrn, deren Grababdeckung aber nicht mehr vorhanden ist. Dass die Inschrift noch gut zu lesen ist, liegt daran, dass sich das Grab unterhalb der Orgelempore befand und somit nicht so sehr „abgelaufen“ wurde.
 
Die Begräbnisplätze waren erblich, so dass die Nachkommen ebenfalls dort begraben werden durften. Alheit Kiecks hatte 1725 jedoch den Wunsch, dass das Grab, das sie für ihren verstorbenen Mann Gerdt und sich kaufte, nach ihrem Versterben „bis zu ewige Zeiten“ nicht wieder geöffnet werden dürfte.
 
Wie aber kam man nun zu einem Begräbnisplatz? Es war eine große Ehre in der Kirche - und v.a. möglichst nah am Altar - begraben zu werden. Das seinerzeitige Ansehen der hier Begrabenen ist kaum zu ermitteln. Auf jeden Fall mussten sie wohlhabend gewesen sein, denn natürlich hat sich die Kirche den besonderen Begräbnisplatz gut bezahlen lassen.
 
Die Gräber der Pastoren befanden sich direkt am Altar. Rechts neben dem Altar liegt eine kleine Platte, deren Inschrift leider kaum noch zu entziffern ist. Aber immerhin ist soviel lesbar, dass man davon ausgehen kann, dass sie einst die Grabstätte eines oder mehrer Pastoren abgedeckt hat. Sie könnte sogar aus dem 17. Jahrhundert sein.  
 
Vor dem Altar, dort wo die Konfirmanden und Brautpaare niederknien, verdeckt von einem Teppich, befindet sich eine weitere Grabplatte. Die Inschrift gibt Auskunft über den Verstorbenen: „Diese Stein bedecket die Gebein eines in Gott sehligen dem hochwol ehrwurdigen hochwol gelarten Herrn Pastor Ameling Koneke.“ Ameling Koenecke, geboren 1677, war 46 Jahre in Borstel als Pastor tätig und starb 1754. Auch sein Vorgänger, Pastor Johann Conrad Reben ( Sein Vater war auch Pastor in Borstel, wir haben schon über ihn berichtet.) ist, so die Kirchenbucheintragung, „alhier in seinem Gewölbe so ihm eigen bestätiget worden“ am 22.4.1719 bestattet worden. Spätestens im 19. Jahrhundert finden keine Kirchenbegräbnisse mehr statt.
 
Karen Jäger