A A A
Startseite Hollern-Twielenfleth Lühekirchen Jork Borstel Estebrügge

Kirchen im Alten Land

Hinweis

Sie benutzen Internet Explorer 6. Dieser Browser wird bald 10 Jahre alt und fällt deswegen durch Sicherheitslücken und Fehldarstellungen moderner Webseiten auf. Bitte aktualisieren Sie in Ihrem eigenen Interesse Ihren Browser.

Browserupdate herunterladen »

Druckversion

Bronzetaufe

Bronzetaufe

1325 erschafft Meister Ulricus die Bronzetaufe

Unser Osterkerzenständer ist sehr jung, erst 1996 wurde er geschaffen. Ganz anders das Bronzetaufbecken: Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist somit der älteste Schatz unserer Kirche. Der Osterkerzenständer und die Taufe haben jedoch eine sehr enge Verbindung. Sie stehen beide nebeneinander vor dem Altar. 

Schon in der frühen Christenheit war der Ostertag ein beliebter Tauftag und der Priester weihte in der Osternacht das Taufwasser für das kommende Jahr. Heute wird die Taufkerze während des Taufgottesdienstes an der Osterkerze entzündet. Durch die Auferstehung Christi können auch wir, so die theologische Begründung, durch die Taufe zu neuem Leben auferstehen. Das Wasser symbolisiert das Leben, die Reinigung und die Vergebung. 

 

Unsere „Taufe“ ist ein Bronzekessel, der auf vier Stützfiguren steht - eine im Erzbistum Bremen durchaus übliche Form. Auf dem Becken selbst ist viermal der thronende Christus dargestellt, der von je vier Medaillons mit Evangelistensymbolen umrahmt wird. Zwischen den Christusdarstellungen sind Paulus, Petrus, ein jugendlicher Heiliger und ein Märtyrer abgebildet. „Wer getauft ist in dieser Heiligen Quelle, ist gewaschen“ („gewaschen“ im Sinne von „rein“), so die umlaufende Inschrift auf unserem Taufbecken. Die Inschrift ist übrigens in lateinischer Sprache gehalten und spiegelverkehrt geschrieben. 

 

Die Abdeckung des Bronzekessels ist jüngeren Datums. Sie besteht aus einer flachen Schale mit einer umlaufenden Schrift: „Lasset die Kinder zu mir kommen“. Der alte Messingdeckel, die Margareta Reben, Ehefrau von Pastor Reben (1652-1719) der Gemeinde gespendet hat, ist verschollen. Wenn man bedenkt, wie lange das Taufwasser in früheren Zeiten in dem Taufkessel gehalten wurde, so war es wohl nötig, diesen abzudecken. Aber nicht nur als Schutz gegen Verunreinigungen. Sondern auch, weil es aus Aberglaube schon mal vorkam, dass das geweihte Wasser mit nach Hause genommen wurde. An der jetzigen Abdeckung kann aber auch sehr gut die veränderte Taufpraxis gesehen werden. Heute werden die Kinder mit dem Taufwasser, das sich in einem Silberkrug befindet, übergossen. Früher war es jedoch üblich, die Kinder, die häufig erst ein paar Tage alt waren, dreimal in das Taufwasser einzutauchen. Dafür war der relativ große Taufkessel gut geeignet. Mit dem Untertauchen wird das Mitsterben und mit dem wieder Auftauchen die Wiederauferstehung symbolisiert. Hingegen betont die heutige Form die Reinigung und Vergebung.


Die Tauffeier ist in unserer Kirche Teil des Gottesdienstes geworden. So wird die Aufnahme des Täuflings in die Glaubensgemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Dagegen fanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Taufen noch häufig zu Hause statt. Pastor Meyer berichtete 1924 im Visitationsbericht, dass die Tauffeiern unter der Woche auch schon mal im Pfarrhaus abgehalten wurden. Auch beklagte er sich seinerzeit darüber, dass Väter häufig nicht zur Taufe erschienen. 
 

Einen ganz anderen Aspekt zur Geschichte der Taufe hat ein Bremer Forscher herausgearbeitet. Er untersuchte 51 Taufen im Norddeutschen Raum und stellte fest, dass viele von ihnen in ihrem Rauminhalt den uns heute bekannten alten historischen Maßen entsprechen. Mit untersucht wurde die Oederquarter Taufe, die mit unserer identisch ist. Der Taufkessel hat demnach ein Volumen von 150,75 Liter und entspricht damit etwa 1 Ohm Mainzer Eiche. (1 Ohm entsprach der Belastbarkeit eines Tragtieres, es war fast ausschließlich ein Flüssigkeitsvolumen.) Geeichte Maßeinheiten waren nötig bei der Abgabe der Zehnten an die Kirche. Weiter gibt es allerdings keinen Beweis dafür, dass sakrale Taufgefäße gleichzeitig als Eichmaß dienten. 

 

Um 1325 hat Meister Ulricus aus Bardowick/Lüneburg dieses Bronzetaufbecken geschaffen. Sie stand damit schon in der Vorgängerkirche. Beeindruckend die Vorstellung, dass über Jahrhunderte Borsteler in/an diesem Becken getauft wurden.

Karen Jäger