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Kirchen im Alten Land

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Madonna

Madonna
Was macht eine Madonna in einer protestantischen Kirche?
Der ein oder andere wird sich wohl schon einmal gefragt haben, warum in unserer Kirche eine Madonna hängt. Madonna heißt „meine Dame“ und steht für Maria, die Mutter von Jesus. Und bekanntermaßen spielt die Marienverehrung in unserer Kirche kaum eine Rolle. In der römisch - katholischen Kirche erfährt die Mutter Jesu eine große Bedeutung. Luther hingegen wandte sich entschieden gegen die katholische Marienverehrung. Wohl sah Luther Maria als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit und als Vorbild des Glaubens an.
Die Antwort hierzu ist ganz simpel: Unsere „Madonna auf der Mondsichel“, die an der Nordwand nahe des Altars hängt, stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Man vermutet, dass sie zwischen 1475 und 1500 geschaffen wurde. Der Beginn der Reformation  aber wird auf das Jahr 1517 datiert. Nach der Überlieferung soll Luther am Tag vor Allerheiligen (31.10.) 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Auslöser hierfür war der damals übliche Ablasshandel: Gegen eine Geldzahlung wurde dem Gläubigen die Erlösung von seinen Sünden versprochen. Luther hielt dem entgegen, dass dies nur allein durch Jesus Christus und dessen Tod am Kreuz geschehen kann.  1570 erreicht die Reformation endgültig die Borsteler Kirchengemeinde. Der erste lutherische Pastor wird bestellt.
Unsere „Madonna auf der Mondsichel“ entstammt somit der römisch-katholischen Zeit. Die „Madonna auf der Mondsichel“, die aus Eichenholz gefertigt wurde, zeigt Maria mit Jesus im Arm auf einer nach unten zeigenden Mondsichel stehend. Beide, Maria wie auch Jesus, wirken ernst und schauen uns nicht an. Jesus hat die Hand zum Segenszeichen erhoben.
Diese Darstellung Marias mit Jesus hat vom 12. bis 16. Jahrhundert eine weite Verbreitung erfahren. Und wie immer gab es im Laufe der Zeit unterschiedliche Darstellungsformen und -interpretationen. Ursprünglich stand die Madonna auf einem Vollmond. Der Mond konnte als eine Art Thron gedeutet werden, der den Universalitätsanspruch Mariens verdeutlicht: Maria als „Königin des Himmels“. In diesem Fall wurde Maria mit Krone und Zepter dargestellt. Auch die Borsteler Maria ist mit einer Krone geschmückt. Später dann stand Maria auf  einer nach oben oder unten gerichteten Mondsichel. Die Mondsichel konnte als Vergänglichkeit der Welt interpretiert werden.  Zur Zeit der Bedrohung durch die Türken im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Skulptur wie folgt erklärt: Maria symbolisierte   Kirche und Abendland, die über die Osmanen (Mondsichel) bzw. über den Islam gesiegt haben.
Zurück zur Borsteler Kirche. Wir wissen kaum etwas über die Einführung der Reformation in unserer Gemeinde. Noch nicht einmal den Namen des ersten lutherischen Pastors. Und so wissen wir auch nicht, wie die Gemeindemitglieder reagiert haben. Aber offensichtlich hat man nicht alle Zeugnisse der katholischen Kirche mit Einführung des „neuen“ Glaubens vernichtet. Dafür können wir heute dankbar sein.
Karen Jäger