A A A
Startseite Hollern-Twielenfleth Lühekirchen Jork Borstel Estebrügge

Kirchen im Alten Land

Hinweis

Sie benutzen Internet Explorer 6. Dieser Browser wird bald 10 Jahre alt und fällt deswegen durch Sicherheitslücken und Fehldarstellungen moderner Webseiten auf. Bitte aktualisieren Sie in Ihrem eigenen Interesse Ihren Browser.

Browserupdate herunterladen »

Druckversion

Geschichte - Deutsch

Deckenbemalung
die Orgel
Epitaph
Kreuzigungsgruppe
Leuchter
Leuchter Altar
Moses Altar Borstel
Orgel
Prieche
Taufbecken

Geschichte:
Alten Nachrichten zufolge hat die erste Kirche von Borstel in dem früher Zesterfleth genannten Kirchspiel auf dem Hanöfersand gestanden. Dieses nach dem gleichnamigen Flüsschen, dem heutigen Borsteler Fleet, benannte Kirchspiel wird erstmals 1221 erwähnt. Die durch Sturmfluten zerstörte Kirche scheint im 14. Jahrhundert auf das Festland in den Borsteler Ortsteil Kohlenhusen verlegt worden zu sein; Hahnöfersand wurde durch die Cäcilienflut von 1412 zur Insel. Wohl 1380 und 1393 zerstörten Sturmfluten auch die zweite Kirche. Einen Neubau errichtete man daraufhin an der heutigen Stelle. Im Jahr 1400 spricht man in einer Urkunde von einer „neuerrichteten Parochial-Kirche in Tzesterfleth, genannt to deme Borstelde“. Sie liegt auf einer Wurt neben dem ehemaligen bischöflichen Zehnthof, dem heutigen Wehrtschen Hof, im Norden. Mit auf der Wurt wurde auch der alte Friedhof angelegt.

Baugeschichte:
Von dem kurz vor 1400 entstandenen einschiffigen spätgotischen Bau mit dem ungewöhnlichen fünfeckigen Chorabschluß im Osten sind nur noch Reste des Mauerwerks erhalten, das an den großformatigen Steinen zu erkennen ist (Westseite außen, Ostseite innen, Teile der Südwand). Die kleinformatigen Steine des Mauerwerks und die Stützpfeiler der Südwand stammen von einer gründlichen Renovierung in den Jahren 1770-72, während das Mauerwerk der Nordwand 1875 restlos erneuert werden musste.

Der 40 m hohe hölzerne Glockenturm wurde 1695 mit 1m Abstand vor dem Westgiebel errichtet, der mit seinen schönen Spitzbogenblenden ursprünglich Schaufront war. Das Geläut besteht aus zwei Glocken: Die 1771 in Hamburg gegossene kleine Glocke trägt die Inschrift „ Ich rufe die Lebendigen zur Buße und die Toten zur Ruhe „. Als Ersatz für die im 2. Weltkrieg eingeschmolzene, ebenfalls in Hamburg gefertigte große Glocke von 1763 wurde 1951 in Heidelberg eine neue Glocke gegossen. Die kleine Schlagglocke der Turmuhr unter dem für Kirchen im Alten Land typischen Dacherker am Turmhelm entstand um 1200. Sie hat eine steile Zuckerhutform und gehört zu den ältesten Stücken an Kirchenausstattungen im Alten Land.

Ausstattung:
Das Besondere der Kirche besteht wie bei den meisten Kirchen des Alten Landes weniger in Ihrem schlichten Äußeren als in der Geschlossenheit der reichen Einrichtung. Ihr Aussehen, wie es sich heute dem Besucher darstellt, gewann sie im wesentlichen bei der Renovierung von 1970/72. Bei der Renovierung von 1974/76 galt es, diese Geschlossenheit zu bewahren. Eingreifendere Veränderungen wurden daher nur mit einer behutsamen Verbreiterung der Sitzmöglichkeiten im Gestühl vorgenommen. Außerdem erhielt der Haupteingang einen kleinen Windfang im Stil entsprechender traditioneller Fachwerkvorbauten. Nach Säuberung erhalten blieb auch die Bemalung von 1770/72, die im wesentlichen von dem Hamburger Maler Friedrich Nikolaus Schnibbe stammt. Nur die Bemalung des seinerzeit offenbar nicht neu gefassten Gestühls und des zugehörigen Wandpaneels war 1924 von dem Hamburger Maler Hans Förster umgestaltet worden.

Decke:
Das hölzerne Tonnengewölbe wurde 1770/72 neu eingezogen. Unter der figürlichen Darstellung ist das zugehörige Bibelzitat angegeben: Matth.5,6 = „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“

Emporen und Orgel:
Die hier als Priechen bezeichneten Seitenemporen wurden ebenfalls 1770/72 eingebaut; dasselbe gilt für die Westemporen, von denen die untere mit den Prophetenbildern offenbar unter Verwendung älterer Teile von 1732 entstand. Die Orgel auf der darüber liegenden Empore ist in mehreren Abschnitten gebaut. (Älteste Teile Anfang 16. Jh., Umbauten 1637/38 durch Gottfried Fritsche, Altona-Ottensen, 1677 durch Arp Schnitger, damals noch Stade, später Hamburg, 1770/72 durch Johann Paul Geycke , Hamburg, 1848/49 durch Philipp Furtwängler, (Elze).

Gestühl:
Die älteste Jahreszahl bei dem Familiennamen Dehmels, den derzeitigen Besitzern des Wehrtschen Hofes, ist 1636, die jüngste 1733. Die Schnitzerei entspricht der an Altländer Truhen jener Zeit.

Kanzelaltar:
Er wurde 1771/72 von dem Borsteler Tischlermeister Paul Spangenberg angefertigt. Dafür mauerte man damals das mittlere Chorfenster zu. Mehr dazu ...

Kruzifix am Altar:
Eichenholz mit alter Fassung, um 1520.

Kreuzigungsgruppe über dem Altar:
Eichenholz mit neuer Fassung um 1520.

Madonna auf der Mondsichel:
Eichenholz mit Resten alter Fassung, zwischen 1475 und 1500. Mehr dazu ...

Bronzetaufe:
Mit spiegelbildlicher Inschrift (s. Abbildung), zugeschrieben dem Lüneburger Meister Ulricus (vergleiche z.B. die Taufen in Altenbruch und Oederquart), um 1325.Bronzetaufe von etwa 1325Inschrift:“ QVI. BAPTIZATUR . HOC . SACRO . FONTE . LA-VATVR” = Wer getauft ist in dieser heiligen Quelle, ist gewaschen (d.h. ist rein). Mehr dazu...

Kronleuchter:
(Messing)-Gelbguß, 1656 (vergleiche Inschrift), 1975 restauriert.

Epitaphe:
der Borsteler Pastoren Magister Joh. Conrad Reben (im Amt 1648 - 78) um 1678, und Ameling Köncke (im Amt 1709 - 54), um 1755 (mit Lutherbild, siehe auch Grabplatte mit Inschrift vor dem Altar).

Hermenenpilaster:
Befindet sich über dem Haupteingang. Es wurde 1976 dort angebracht. Die drei Sandsteinpfosten, ursprünglich wohl Bauplastik, sollen nördlich der Kirche beim Graben gefunden worden sein. Auf einem vierten z.Z. nicht auffindbaren Stück datiert 1636.

 

Wir hoffen, dass die ungewöhnlich umfangreichen Renovierungsarbeiten von 1974 - 76 dem flüchtigen Besucher kaum ins Auge fallen. Erhaltung der Bausubstanz, Einbau der Heizung, Verbesserung der Sitzmöglichkeiten, Säuberung der Bemalung und heller Neuanstrich der Wände forderten große Behutsamkeit, um das Überkommene zu bewahren und dennoch heutigen Erfordernissen anzupassen. Möge die Kirche ihre Besucher zu Einkehr und Andacht leiten, zum Nachdenken darüber, dass der Glaube allezeit danach drängt, Form und Gestalt anzunehmen.Auch alten Dingen, in denen eine Gemeinde über Jahrhunderte von sich und ihrem Glauben Zeugnis abgelegt hat, kann noch heute die Kraft der Aussage und Anrede innewohnen.