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Hein Feindt aus Jork berichtet

 

Hein Feindt aus Jork berichtet gerne und anschaulich aus der Vergangenheit des Jorker und Borsteler Gemeindelebens. Er greift dabei auf viele große und kleine Ereignisse der Vergangenheit zurück.

So gibt z.B. die Stromversorgung vor dem 2. Weltkrieg eine schöne Anekdote her. 1919/20 baute die Gemeinde ein kleines Kraftwerk am „Umweg“ und richtete hierfür ein Leitungsnetz ein. Betrieben wurde das Ganze mit einer Dampfmaschine. Aber es konnte doch schon einmal vorkommen, dass der Strom ausfiel. Dies war natürlich besonders unangenehm beim Zeigen der „lebenden Bilder“ im späteren Jorker Kino. Herr Feindt ließ sich berichten, dass diesem Umstand und Übel mit der Überreichung einer Flasche Schnaps an den damaligen Betreuer des Kraftwerks schnell abgeholfen werden konnte.

Oder aber Herr Feindt berichtet über die Zahnärzteversorgung. Hatte man seinerzeit Zahnschmerzen, musste man wohl oder übel nach Buxtehude, weil es hier keinen Zahnarzt gab. Dorthin fuhr man üblicherweise mit der Postkutsche. Diese Pferdekutsche führ täglich jedoch nur einmal, zu morgendlicher Stunde und kam nachmittags zurück. So musste man für eine Zahnbehandlung notfalls einen ganzen Tag einplanen und konnte dann noch froh sein, wenn das Wartezimmer nicht überfüllt war. In diesem Fall musste man am Nachmittag unverrichteter Dinge wieder zurückfahren und am nächsten Tag die Fahrt erneut anzutreten.  

Ein ungewöhnliches Ereignis für den Ort war die Versetzung des so genannten Portau’schen Hauses. Hein Portau war ein Fuhrunternehmer und hatte dieses Haus ursprünglich als Wohn- und Wirtschaftsgebäude genutzt. Da das Gebäude ein großes Verkehrshindernis darstellte, entschloß man sich 1932 eine Versetzung desselben zu planen. Hierzu wurden die Wände herausgestoßen und die Dachziegel entfernt. Nach Absteifung des Fachwerkbaues wurde das Haus auf Rollen gestellt und einige Meter zur Fleetseite versetzt. So konnte das Haus, dass unter Denkmalschutz steht und der Gemeinde heute als Bücherei dient, erhalten bleiben.  

An den Alltag auf den Obsthöfen vor dem 2.Weltkrieg kann sich Hein Feindt noch gut errinern, da er als Junge selbstverständlich zum „Spreen hüten“ eingesetzt wurde. Eine Beschäftigung, „die keinesfalls zu den Freuden meiner Jugendzeit zu zählen ist“, so Herr Feindt. Aber interessant ist doch sein Rückblick in die Zeit der 20iger Jahre: „Ein Kirschenerntetag lief dann so ab, dass meine Mutter bereits um 4.30 Uhr mit dem Kochen des Kaffees begann, denn um 5.00 Uhr trafen die Pflücker, die bei voller täglicher Verpflegung arbeiteten, zum Morgenkaffee ein. Um halb 12 Uhr kamen dann alle zum Mittagessen, nachdem zuvor um 9.00 Uhr das Frühstück im Hof gemeinsam eingenommen worden war. 

Die Kirschen wurden von jedem Pflücker mittels einer Trage in die Scheune gebracht. Nach dem Mittagessen wurde weitergearbeitet. Die damalige Arbeitszeit erstreckte sich über einen Zeitraum von morgens 5.30 Uhr bis abends 19.00 Uhr. Ein Pflücker lieferte im Tagesdurchschnitt 150 Pfund Kirschen bei einem Lohn von 6,00 Reichsmark pro Tag in die Scheune. Die Erzeugerpreise lagen seinerzeit zwischen 25-45 Pfennig pro Pfund, wobei Spitzenpreise über diesem Kurs möglich waren.“ Neben Kirschen wurden auch Pflaumen und Zwetschen, sowie Äpfel und Birnen angebaut und eine kleine Viehwirtschaft betrieben. 

„Das Obst selbst“, so Herr Feindt weiter, „wurde überwiegend zum Borsteler Hafen gebracht und hier in die beiden Frachtschiffe (sog. Schäpen) der Gebrüder Köpcke verladen Diese brachten die Ladung dann auf dem Wasserwege zum Deichtormarkt Hamburg, wo sogenannte „Aufträger“ die Schiffe entluden.“ Der Obsttransport zum Schiff war bei Hochwasser oft problematisch, wenn nämlich Pferd und Wagen trotz Überflutung des Ufergeländes ans Schiff heranfahren mussten und mancher Gaul einfach das Wasser scheute. Da kam es dann auch mal vor, dass als Folge des scheuenden Pferdes der Federrollwagen umkippte und das zu verladende Obst ins Wasser fiel. 

Überhaupt war zu dieser Zeit der Borsteler Hafen ein sehr vielseitiger Umschlagplatz für landwirtschaftliche und gewerbliche Güter aller Art. Er war der Heimathafen der Obstfrachtschiffe und des Ausflugdampfers „Borstel I“. Die Kümos von Hartje, Vollmer und Schröder sowie weiterer kleiner Ewer und Fischerfahrzeuge waren ebenfalls beheimatet. „Letztere versorgten uns dann des öfteren mit frischen Stint und Elbbutt.“ Am Hafen war auch die Schiffswerft Ritscher angesiedelt. 

In späteren Jahren bot der Hafen bis zur Vordeichung Hahnöfersand Wassersportlern eine Bleibe und er war - nicht zu vergessen - der Heimathafen der legendären „Amazone“, die zuletzt als „Drög-Ewer“ im Borsteler Hafen an Land lag und auf der Kapitän Ferdinand Schmidt seinen Lebensabend verbrachte. Er ruht jetzt friedlich unter dem Stumpf seines Mastbaumes auf dem Borsteler Friedhof. Sein Zeitgenosse Hinrich Dührkop, gleichfalls Schiffer, hat diesem unvergessenen Borsteler Idol seiner Zeit dadurch ein bleibendes Denkmal errichtet, dass er ihm das Lied „In dem kleinen Borsteler Hafen“ dichtete: „In dem kleinen Borsteler Hafen liegt ein stolzes Segelschiff; „Amazone“ ist sein Name; es umfuhr so manches Riff. ….“

Karen Jäger